Fleisch mit gutem Gewissen - Teil 3

Teil 3: Wie Ressourcen geschont werden

Weideland, Futtermittelproduktion, Stoffwechsel, Transport, Kühlung, Versand. Die Fleischproduktion – auch die nachhaltige – verbraucht Ressourcen. Etwa 18 % aller Treibhausgasemissionen weltweit werden durch die Viehwirtschaft verursacht. Dabei gibt es jedoch starke regionale Unterschiede, je nach Wahl der Weideflächen und des jeweiligen Futtermittels. So ist gut ein Drittel der Emissionen alleine auf die Rodung großer Waldbestände in Südamerika zurückzuführen. Die freigewordenen Flächen werden entweder als Weideland oder zur Futtermittelproduktion genutzt. Letztgenannte ist besonders energieaufwendig und somit für ein weiteres Drittel der Emissionen verantwortlich. Der Einsatz von Düngemitteln belastet die Umwelt zusätzlich. Das letzte Drittel der emittierten Treibhausgase ist auf die Viehhaltung selbst zurückzuführen.

Die richtigen Orte für die Zucht

Viehzucht sollte also nur auf solchen Flächen betrieben werden, die dafür von Natur aus geeignet sind. Die Weideflächen der Great Plains in den USA beispielsweise sind Teil eines natürlich gewachsenen Naturraumes, in dem keine Rodungen vorgenommen werden mussten. Gerade der westliche Teil dieser klassisch amerikanischen Prärielandschaft ist für den Ackerbau weitgehend ungeeignet. Daher herrscht auf diesem natürlichen Hochplateau die Viehzucht vor. Da es sich um eine klassische Weidewirtschaft handelt, ist auch kein spezieller Futteranbau notwendig. Darüber hinaus spielt die Weidewirtschaft in manchen Regionen der Erde eine äußerst wichtige Rolle beim Erhalt eines Ökosystems und seiner Artenvielfalt (zu beobachten etwa in den Sandhills von Nebraska/USA). Anstatt also Naturraum zu zerstören und gewaltige Emissionen freizusetzen, wie bei den südamerikanischen Rodungen, trägt die Weidewirtschaft in natürlich gewachsenen Ökosystemen zu deren Erhalt bei. Darüber hinaus wirkt die vorhandene Vegetation regulierend auf die Methangasemissionen der Viehherden, deren Ausstoß zwar nicht gänzlich vermieden werden kann, jedoch so weit wie möglich reduziert und kompensiert wird.

Das Futter

Bei der Wahl des Futtermittels sollte grundsätzlich die traditionelle Weidewirtschaft im Vordergrund stehen. Eine Zufütterung kann zwar abhängig von der Jahreszeit notwendig sein und unterstützt insbesondere gegen Ende des tierischen Wachstumsprozesses die Ausbildung des für den Geschmack und die Zartheit wichtigen intramuskulären Fettes, jedoch ist auch hier auf eigenen Anbau oder zumindest auf Anbau aus der direkten Nachbarschaft zurückzugreifen. Gründe dafür sind nicht nur die schon erwähnten Emissionen von Treibhausgasen, sowie die Umweltschädigungen durch den Einsatz von Düngemitteln. Insbesondere die Konkurrenzsituation, die zwangsläufig zwischen dem Anbau menschlicher Nahrung und tierischer Futtermittel entsteht, verbietet die Landnutzung für Futtermittelanbau zugunsten einer intensiven Masttierzucht.

Aktuell werden knapp 60 % der weltweiten Getreideernte als Tierfutter eingesetzt. Nicht selten stammen diese Futtermittel aus Ländern, die mit Unterernährung und Hungersnöten zu kämpfen haben. Beim Verzicht auf die moderne Massentierhaltung mit Intensivmast ließen sich diese Zustände gravierend verbessern. Die Forderung nach Freilandhaltung und Weidewirtschaft ist keine „ökologische Spinnerei“, sondern ein wichtiger Beitrag zur Ernährungssituation vieler Menschen auf der Welt und somit eine humanitäre Pflicht.

Ressourcen sinnvoll nutzen

Ein zentraler Aspekt der Nachhaltigkeitsdiskussion ist der Erhalt natürlicher Ressourcen für künftige Generationen. Insbesondere der Klimaschutz erfährt in diesem Zusammenhang große Aufmerksamkeit. Ein Teil der sogenannten Ökobilanz eines Gutes ist sein Transport. Auf den ersten Blick erscheint es vernünftig, die Wege, die ein Produkt zurücklegt, möglichst kurz zu halten. Daher ist „regional“ das neue Zauberwort aller Marketingspezialisten der Lebensmittelindustrie. Auf den zweiten Blick müssen jedoch verschiedene andere Aspekte in die Ökobilanz mit eingerechnet werden. Der Transport ist schließlich nur ein einziger (wenn auch bedeutender) Bestandteil dieser komplizierten Rechnung. Das unterschiedliche Emissionsniveau der zur Verfügung stehenden Transportmittel, sowie die externen Faktoren der regionalen Produkte, wie etwa die CO²-Bilanz der Produktion oder des Imports von Futtermitteln, muss selbstverständlich auch mit in diese Rechnung einbezogen werden. Die genannten Faktoren verschlechtern beispielsweise die Ökobilanz der in Deutschland betriebenen Intensiven Tiermast massiv. Auch für den Klimaschutz empfiehlt es sich darauf zu achten, Fleisch aus traditioneller Freilandhaltung und natürlicher Weidewirtschaft zu beziehen. Da dieses in der Regel nicht „regional“ sein wird ist es wichtig, auf die Art des Transportes zu achten (der Schiffstransport ist wesentlich umweltschonender als jener im Flugzeug). Auch sollte man darauf achten, dass der jeweilige Anbieter versucht die „Umwelt-Kosten“ seines Transportes zu internalisieren, das heißt, diese durch die Förderung von Natur- und Klimaschutzmaßnahmen wieder auszugleichen.

Zusammenfassung

Artgerechte Tierhaltung, mündige Konsumenten und ein Bewusstsein für Klima und Ressourcen – lässt sich dies mit Fleischkonsum vereinbaren und kann man Fleisch noch mit gutem Gewissen kaufen?

Ja, natürlich kann man Fleisch noch mit gutem Gewissen kaufen. Wichtig ist die Transparenz des Anbieters, die damit verbundene lückenlose Rückverfolgbarkeit des Produktes und natürlich am Ende des Tages auch das Vertrauen, dem Händler gegenüber. Dieses Vertrauen kann nur durch die richtigen Antworten auf die richtigen Fragen entstehen. Wer dann Fleisch mit gutem Wissen kauft, der genießt auch mit gutem Gewissen.

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